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Weiße Mexikaner in Babelsberg?

David Assmann hat im Tagesspiegel einen bemerkenswerten Text zur Arbeitssituation von Deutschen in Hollywoodproduktionen auf deutschem Boden verfasst, ein knackiger Kernsatz: „Die meisten hiesigen Filmschaffenden, die an internationalen Projekten beteiligt sind, arbeiten oft überqualifiziert und unterbezahlt in subalternen Assistenz- und Fahrerjobs. Hinter vorgehaltener Hand ist in der Branche von „white Mexicans“ die Rede. Die Attraktivität Deutschlands für internationale Produktionen mag die funkelnde Seite der Medaille sein; die andere erfordert die Bereitschaft, sich ausbeuten zu lassen.“

Wenn auch die überwiegende Zahl von Branchenmitabeitern hinter der Kamera froh wäre, zu den Babelsberger Tarifkonditionen beschäftigt zu sein, so ist der Aspekt „Deutschland als Billiglohnland für Hollywood-Blockbuster“ hier schön herausgearbeitet. Anlass für den Text war die Wachowski-/Tykwer-Großproduktion „Wolkenatlas“, bei der die deutschen Profis nicht nur als Assistenten der besser bezahlten US-Kollegen verheizt werden sollen.

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Fernsehakademie will ab 2013 eigene Preise vergeben

Die „Deutsche Akademie für Fernsehen“ will ab 2013 ihre eingenen Fernsehpreise vergeben. Logischerweise stehen nach der Kritik an der Vergabe beim Deutschen Fernsehpreis an die kompletten Teams hier die Einzelleistungen im Vordergrund. Bei den Schauspielpreises soll auch hier zwischen Haupt- und Nebenrolle unterschieden werden. Knapp ein Jahr nach ihrer Protestgründung im Dezember 2010 hat die Akademie nach eigenen Angaben nur 350 Mitglieder aus 18 Berufsgruppen.

Wie es die Akademie mit den beim Fernsehpreis so ungeliebten Genres hält erläutert Regisseur Stephan Wagner (auf facebook: „Spätestens mit der Nominierung des "Dschungelcamp" zum Deutschen Fernsehpreis muss man alle Fernsehschaffenden bemitleiden, die dort ebenfalls nominiert wurden“) auf Nachfrage so:
„Das Prinzip der Fernsehakademie-Preisverga
be lautet: jede Sektion kann einen Preis vergeben. Eine Sektion besteht aus mindestens 20 Mitgliedern. Ausgezeichnet werden natürliche Personen, nicht Formate. Folglich hängt die Preisvergabe im Unterhaltungsbereich von der Mutgliederstruktur ab. Diese wächst und holt gerade auf dem non-fiktionalen Sektor beständig auf, auch wenn der fiktionale Anteil in der Mitgliedschaft derzeit noch überwiegt.“ Sprich, solange keine Sportmacher oder Unterhaltungsspezialisten Mitglied werden, muss man nach der eigenen Fernsehqualitätsdefinition auch keines ihrer Werke nominieren. Sehr wohl bietet sich aber hier die Chance, einen Preis für das beste Casting zu vergeben – die Casting-DirektorInnen

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Sat.1 plant deutsche Serienoffensive

Sat.1 hat übereinstimmenden Medienberichten zufolge gleich vier neue Serien in Auftrag gegeben, die allesamt bereits 2012 zu sehen sein sollen. Darunter eine Arztserie mit dem Arbeitsrtitel „Heller & Hansen“ und ein „Dramedy“ mit dem Arbeitstitel „Es kommt noch dicker“ sowie zwei Krimiserien. Eine davon trägt den Arbeitstitel „Familie undercover“ – es geht um einen Kommissar, der einem Zeugenschuztprogramm beitreten muss, und mit ihm, wie der sprechende Titel schon erzählt, seine ganze Familie. Das zweite Krimiformat ist gemäß bekanntem Erfolgsmuster eine in München angesiedelte  „Salt&Pepper“-Serie, wie ProSiebenSat.1-Chef Andreas Bartl durchblicken lässt (also ein Duo von zwei Kommissaren, „die nicht unterschiedlicher sein könnten“, wie es in den Ankündigungen dann gerne heißt.

Andreas Bartl, hatte kommissarisch neben seinen Konzernaufgaben auch den Sender Sat.1 geleitet seitdem Amtsinhaber Guido Bolten das Haus überraschend verlassen hatte. Bartl möchte „ein bestelltes Haus“ übergeben. Das „Zusatzamt“ übergibt er an Joachim Kosack (der sich in der Branche gerade mit seinen Forderungen nach Billiglöhnern in Nachwuchsproduktonen unbeliebt gemacht hatte, siehe castmag-Meldung hier, Link). Seine bisherigen Stationen und wer sein Nachfolger als Fiction-Chef wird

 

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Nachwuchsförderung?? Besonders dreistes Ausnutzen!!

Es hat ja eine Weile gedauert, bis auch die privaten Sender auf die Idee gekommen sind, auch Fiction, also richtige Film-Fiction nicht den Doku-Fiction-Schrott von billigen willigen Regisseuren und Schauspielern zu Dumping-Preisen einzukaufen. Es fehlte wohl das passende Argument, bei der First-Steps-Verleihung 2011 war das „macht es doch umsonst, ihr Deppen, äh Schauspieler“ gerade schön im Schwung (siehe dazu auch die Wutrede „Ihr beklaut uns doch auch, oder?“ in der aktuellen ca:staktiv zu der dreisten Trailerproduktion der Constantin) da verstieg sich auch Joachim Kosack, „SAT.1 Co-Gescha?ftsfu?hrer und Senior Vice President Deutsche Fiction der ProSiebenSat.1 TV“ zu der Forderung, im Rahmen der Nachwuchsprojektförderung von Sat.1 sollen doch die Schauspieler umsonst spielen. Ah ja, eine Wohltätertat ist es also, dem Nachwuchs seine Kreativität billig abzuluchsen und in ansonsten professionellen Produktonen für die Prime-Time die Schauspieler umsonst oder zumindest doch nochmal billiger antanzen zu lassen. Da hat er sich dann allerdings doch etwas arg dreist vergallopiert. Der BFFS im Verbund mit anderen Branchenverbänden hat ein entsprechend saftiges Statement dagegen gesetzt.. Mehr dazu (mit weiteren Statements aus der Branche) in der der kommenden ca:st-Ausgabe 4/2011 im Oktober. Ein Auszug aus dem BFFS-Statement vorab:

„Die Großzu?gigkeit der Filmschaffenden, sich immer wieder fu?r solche Nachwuchsproduktionen zur Verfu?gung zu stellen, die sie mit ihrer Nahezu-Gratisarbeitskraft mitfinan- zieren, wird plo?tzlich o?ffentlich mit dem Argument eingefordert, dass der Privatsender sich „fu?r den Nachwuchs“ engagiere und die Nachwuchsproduktion in der Primetime auszustrahlen gedenke, um den Nachwuchstalenten eine gro?ßere O?ffentlichkeit zu er- mo?glichen. Damit hat die Schieflage einen Grad erreicht, bei dem man als Filmschaffen- der nicht mehr aufrecht stehen kann.
Man stelle sich vor, Mercedes-Benz wu?rde anku?ndigen, die Kosten fu?r die Entwicklung eines neuen Elektroautos oder die Ausbildungskosten der Lehrlinge von den Geha?ltern der anderen Mitarbeiter abzuziehen. Diese absurde Vorstellung wird in der Filmbranche zum allabendlichen Standardprogramm mit der pikanten Note, dass die Filmschaffenden gefordert sind, ihre Gage zu opfern, wa?hrend die Sender sich als Fo?rderer feiern.“

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Bart bald ab? ARD fährt Fiction-Produktion nach Jurgan-Welle herunter!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nachtrag zur Meldung vom 20.September (unten): Die Süddeutsche Zeitung legt in der Angelegenheit nach und berichtet, dass HW Jurgans Vorgehensweise und die rechtliche Bindung der von ihm geschlossenen Verträge nun auch extern geprüft werden und berichtet von Produzenten, die aufgrund der bis 2013 verplanten Etats auf 2014 vertröstet werden. Zum SZ-Bericht vom 22. September 2011 hier (Link).

Der Zusammenhang von zwei Meldungen ist unübersehbar:

Heute berichtet die Süddeutsche Zeitung, dass sich Hans-Wolfgang Jurgan, einer der beiden Geschäftsführer der ARD-Lizenz- und Produktionstochter Degeto intern verantworten muss, weil er weit überdurchschnittlich viele Produktionsaufträge erteilt habe, bevor seine (de facto vorgesetzte) hochrangige Kollegin Bettina Reitz (castmag-Meldung „Bettina Reitz übernehmen Sie!“ vom April 2010, Link) an die Spitze der Degeto gewechselt war (siehe unten). Bis dahin gab es eine unausgesprochene Zweiteilung der Degeto-Produktionen: Jörn Klamroth, der inzwischen leider verstorbene Programm-Macher war bei der Degeto mit seiner Mannschaft für den Anspruch zuständig, Hans-Wolfgang Jurgan für das Melodram, das auffällig oft bei den gleichen Produktionsfirmen bestellt wurde und sehr häufig vom gleichen Personal auch vor der Kamera gespielt wurde. An Drehorten in aller Welt, an denen Hans-Wolfgang Jurgan offenbar zu auffällig häufig persönlich nach dem Rechten gesehen hat, während sich im Büro die Akten stapelten, wie inzwischen auch die Süddeutsche Zeitung berichtet. Zunächst ließ die neue Chefin (offenbar gekommen, nicht nur um zu bleiben, sondern auch um aufzuräumen) inhaltliche Differenzen duchblicken (siehe auch die castmag-Meldung vom 5. September 2011, „Bettina Reitz watscht HW Jurgan ab“, Link) , nun geht es ans Eingemachte.

Die zweite Meldung macht die Dimension und die Auswirkungen der zu prüfenden Eigenmächtigkeiten deutlich. Die Aufträge für Eigenproduktionen müssen wohl zulasten der vorbestellten Jurgan-Genre-Stücke zurückgefahren werden, weil das Gesamtbudget dafür nicht mehr ausreicht. Sprich, weniger Arbeit für alle jenseits des Jurgan-Personals vor und hinter der Kamera! Die Pressemitteilung der ARD im Wortlaut:

„Die ARD Degeto hat in den Jahren 2010 und 2011 ihr Engagement sowohl im Lizenzerwerb als auch in der Produktion intensiviert. Sie verfügt aktuell dadurch über ein Programmvorratsvolumen für die Jahre 2012 und 2013, das angesichts perspektivisch verringerter finanzieller Rahmenvorgaben und der Übernahme zusätzlicher Aufgaben zunächst im Programm ausgestrahlt werden soll. Aus dem erhöhten Programmvorratsvolumen für die Jahre 2012 und 2013 ergibt sich zwangsläufig eine Reduktion neuer Lizenzkäufe und Produktionsaufträge. Die Geschäftsführung der ARD Degeto bedauert, dass die Produzenten in naher Zukunft mit einem Produktionsrückgang rechnen müssen. Ab 2014 hofft man auf einen Anstieg der Produktionsaufträge. Die ARD Degeto bittet um Verständnis, dass sie im sorgsamen Umgang mit Gebührengeldern verpflichtet ist, zunächst vorrangig ihren Programmvorrat einzubringen, bevor wieder verstärkt Aufträge in den Markt vergeben werden können.“

Während sich die Branche bisher aus Sorge um eigene Aufträge nur hinter vorgehaltener Hand über Jurgans Vergabepraxis unterhielt, (da aber um so lauter und hämischer, siehe